Brand Eins über Kakoii

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Interview mit Stefan Mannes von kakoii auf Netzwirtschaft.net

Interview mit Stefan Mannes von kakoii auf Netzwirtschaft.net

Stefan Mannes von kakoii über das Berühmtmachen, sehr viel Nachdenken, Sherlock Holmes, Sigmund Freud, russische Basare, Schweizer Wohnzimmer, Kompetenzdefizite der Politiker, die Sonderwirtschaftszone Internet und die innovationsfeindlichen Fusionstrends im Agenturenmarkt.

Netzwirtschaft.net / 20.1.2015

 

 

Wer ist Stefan Mannes? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Geschäftsführer der Kommunikationsagentur kakoii, habe Geschichte, Politik, Geographie und Informatik studiert. Meine Karriere begann in einer Unternehmensberatung; ich war erster Festangestellter in einem e-commerce Startup, zwei Jahre später bereits Marketingleiter in dem börsennotierten US-Unternehmen, zu dem es geworden ist. Danach verbrachte ich einige Zeit als Stratege und Berater in Werbeagenturen und gründete schließlich 2001 mit meiner damaligen Kollegin Thekla Heineke kakoii. Nebenbei bin ich Chefredakteur der Gedenkplattform www.zukunft-braucht-erinnerung.de.

 

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Immer wenn mir jemand privat von seinen Plänen erzählt, die ich spannend finde, entwickele ich sofort eine Strategie, wie ich ihn berühmt machen kann. Das ist meistens unterhaltsam und manchmal anstrengend für Leute, die gar nicht berühmt werden wollen.

 

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir entwickeln Kommunikationsstrategien und Lösungen. Unsere Superpower: Wir denken sehr viel nach (Unser Motto: Think First. Think Again.). Klingt banal ist aber der Schlüssel zu vielem. Es werden Unmengen von Geld für Kommunikation verschwendet, die nicht den Punkt trifft. Dabei entscheidet sich die Wirksamkeit immer an der Strategie. Deshalb hinterfragen wir alles und gehen mit wissenschaftlichen Tools, sehr interdisziplinär und großer Empathie auf den Grund der Dinge, bevor wir Maßnahmen entwickeln. Da sind wir näher bei einer Unternehmensberatung, bei Sherlock Holmes oder Sigmund Freud, als an einer klassischen Werbeagentur, die hübsche Kampagnen auf Basis von Kundenbriefings entwickelt.

 

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart?

Alpina Farben. Klingt langweilig, ist aber so spannend, dass die brandeins ausführlich darüber berichtete (http://www.brandeins.de/archiv/2014/werbung/vorsicht-frisch-gestrichen/ ). Wir haben in einer rasanten Marketingfahrt die deutsche Traditionsmarke in 13 Ländern gerelauncht. Dabei gab es kein klares Briefing, sondern einen offenen Prozess mit der Frage, wie sich die Marke international in Zukunft aufstellen möchte. Wir haben von Anfang an angefangen und sind nicht am Schreibtisch sitzen geblieben. Wir sind in russische Basare gefahren, Schweizer Wohnzimmer und englische Design-Shops, um den einen neuen Dreh- und Angelpunkt für die Marke zu finden, was uns auch gelang. Das Projekt war extrem erfolgreich und in Rekordzeit umgesetzt. Die Gründe: Weil wir mit einem phantastischen Marketingteam auf Kundenseite und Augenhöhe gearbeitet und sehr agil mit Design-Thinking Methoden agiert haben. Das Ergebnis waren über 1000 neue Packagings, POS-Konzepte, neue Sortimente bis hin zu Apps, Websites und TV-Spots. Mittlerweile ist der Relaunch überall auf dem Markt und funktioniert hervorragend. Freut uns sehr.

 

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Wir leben in einem Zeitalter, in dem es den Menschen auf der Welt immer besser geht. Die wichtigsten Indikatoren: Ernährung, Bildung und Demokratisierung haben sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbessert. Ich habe da ein grundsätzlich sehr optimistisches Weltbild und denke, dass die große Herausforderung darin besteht, sich auf dieser guten Basis sehr ambitionierte Ziele für Demokratiekultur zur setzen. Deutschland bzw. Europa kann und muss hier eine wichtige Rolle spielen und jeder von uns kann sich da selbst an den Ohren ziehen. Die technischen Möglichkeiten sind mittlerweile da.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Meiner Meinung nach gibt es aber zu viele Monopolisten und ein gefühltes Kompetenzdefizit bei der Politik, die Auswirkungen der Monopole zu beurteilen. Zudem nehme ich ein für mich verwunderliches Gefühl wahr, dass viele Menschen denken, das Internet wäre eine Art Sonderwirtschafts- und Sonderlebenszone und alle Gesetze des normalen Lebens wie freie Meinungsäußerung oder Rechtssicherheit müssten dort neu erfunden werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Der Agenturen-Markt fusioniert seit wenigen Jahren massiv. Die großen Agenturholdings kaufen klassische Werbeagenturen und digitale Spezialisten en masse und assimilieren sie, wie die Borg in Star Trek, in die großen All-in-one- Dienstleister. Solche Riesentanker neigen zu systemischen Innovationsdefiziten. Damit bleibt Deutschland in Sachen Innovation überwiegend auf Startups zurückgeworfen, während die Kommunikationsbranche überwiegend Einheitsbrei kocht und sich bei besonders lustigen oder aufregenden Ergebnissen auf Kreativwettbewerben feiert. Dabei könnten Agenturen hier eine interessante Rolle als echte Innovatoren spielen, wenn Sie sich aktiv selbst einen neuen Platz suchten.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir haben zweimal das Angebot eines Networks abgelehnt, uns zu übernehmen, weil es mir und meiner Agentur-Miteigentümerin zu unsympathisch war, in den oben genannten Rahmenbedingungen Lebenszeit zu verbringen. Gleichzeitig müssen wir uns natürlich gegen die Supertanker behaupten bzw. positionieren. Das tun wir als Innovatoren. Wir sehen uns dabei selbst als Unternehmensberatung und Innovation-Lab, entwickeln eigene Produkte und Services, beteiligen uns an Unternehmen, für die wir arbeiten. Das geht nur, wenn man neue und spezielle Blickwinkel findet und das wiederum bedarf einerseits Tools wie Design Thinking, Business Modelling, Neuroscience-Tools, u.v.m., andererseits eines Teams, das sich permanent auf Neues einlässt und bereit ist, sich rasant weiterzuentwickeln. Das ist ein spannender aber auch anstrengender Prozess, der einen immer wieder an seine Grenzen führt.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Geärgert: Katzenbilder. Ein Synonym für zeitraubende Überflüssigkeit. Nichts ist so kostbar wie Lebenszeit und die sollte nicht verschwendet werden.

Gefreut: Online-Shopping. Es ist verdammt bequem. Das spart Lebenszeit für Kurzentschlossene wie mich. Ich kaufe, bis auf die Lebensmittel-Grundversorgung, fast alles online.

 

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

… einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

https://www.lsnglobal.com : das ist ein englisches Trendscouting-Portal. Ein Fernrohr in die Zukunft mit konkreten Handlungsanweisungen für die Gegenwart. Wundervoll unterhaltsam und zugänglich aufbereitet. Das können so nur die Briten.

… einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Ein Artikel von Pankaj Mishra über den Aufstieg des IS (erschienen in der Lettre International). Der hochstreitbare Inder wirft darin einen sehr europakritischen Blick auf die Begegnungsgeschichte von Islam und Europa seit dem 18. Jahrhunderts bis heute. Auch wenn ich vielem darin nicht zustimme, ist es doch eine sehr kluge Analyse aus einem sehr ungewohnten Blickwinkel.

… ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich lese gerade „Jean Francois Billeter: Vier Vorlesungen über das Zhuangzi.“ Eine neue, moderne Interpretation des chinesischen Philosophen, der deswegen so spannend ist, weil er in einer Welt von Anleitungen, Patentrezepten und Tools einen gesunden Generalverdacht gegen offensichtliche Lösungen hat und einen sehr dezidiert darauf hinweist, wie wichtig geistige Beweglichkeit und Intuition sind.

… eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Einmal im Jahr sind wir auf den Trend-Briefings des Future Laboratory in London (http://thefuturelaboratory.com/uk/ ). Eine unglaublich inspirierende Veranstaltung, die einen immer mit einem veränderten Blick auf die Welt entlässt und mit sehr konkreten Vorstellungen wie sich die Kommunikationswelt in den nächsten 2-3 Jahren verändern wird.

… Das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ein ganz normales Notizbuch – habe ich digital und analog. Mir fallen dauernd spannende Dinge zu einem der rd. 15 Projekte ein, die ich parallel bearbeite. Und jeder Gedanke, den ich nicht sofort fasse, ist schon wieder weg.

 

Von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Das waren Achim Frings und Bert Ohnemüller von der Neuromerchandising Group. Die forschen an vorderster Front beim Thema Neuromarketing. Von denen habe ich gelernt, wie umfassend der implizite, unterbewusste Teil des menschlichen Handelns ist und wie man diesen Teil durch wissenschaftliche Methoden erschließen kann. Und über die Bedeutung von Emotionen und dass – wie sie sagen – zwischen Lachen und Weinen der Ozean der Langeweile liegt.

 

Das Interview erschien am 20.1.2016 auf Netzwirtschaft.net

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