Wahlwerbung: Haben Wahlplakate überhaupt eine Wirkung?
Haben Wahlplakate überhaupt eine Wirkung? Wahlwerbung wird aktuell. Die Landtagswahl in Bayern hat begonnen und es stellt sich die Frage, ob all die Wahlplakate überhaupt eine Wirkung haben.
Plakate wirken, aber anders als viele denken. Primär signalisieren sie den beginnenden Wahlkampf und sensibilisieren die Wähler für die Inhalte, die in dieser Zeit in den Medien diskutiert werden. Aber natürlich ist das Medium wenig geeignet, komplexe Zusammenhänge zu erklären. Dennoch sollten die Wahlplakate einer Partei von denen einer anderen Partei unterscheidbar sein, und das ist dann die sekundäre Aufgabe dieses Mediums. Lenken also die Plakate die Aufmerksamkeit auf die Kernthemen der jeweiligen Parteien, dann haben sie schon viel erreicht.
Es gibt aber auch Ausnahmen. Immer wieder gibt es Plakate, die auch Stammwähler ins Grübeln bringen und einen Denkprozess in Gang bringen, der zur Wahl einer anderen Partei führen kann. Der Schlüssel dazu ist eine ausgewogene Ansprache, die den Menschen zwar einen emotionalen Zugang zu den jeweiligen Themen ermöglicht, jedoch auf einer rationalen Grundlage steht. Wahlwerbung muss also gar nicht spektakulär sein, vielmehr ist Authentizität wichtig. Welche Rolle dabei zunehmend auch Künstliche Intelligenz im Wahlkampf spielt, ist eine der spannendsten aktuellen Fragen.
Der bayerische Wahlkampf hat einige gute Beispiele zu bieten. Darunter die Kampagne der ÖDP, die eine sehr ungewöhnliche Wähler-werben-Wähler-Strategie verfolgt. Sie zeigt Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen zum ersten Mal die ÖDP wählen. Auf den Plakaten kommen authentische Männer und Frauen zu Wort, unzensiert und ganz ohne Politikersprech. So etwas kann eine kleine mutige Partei wagen, die nichts zu verlieren und nur zu gewinnen hat. Dass diese Strategie aufgehen kann, hat die ÖDP wenig später mit dem erfolgreichsten Volksbegehren der Bundesrepublik eindrucksvoll bewiesen – ein Projekt, das kakoii begleiten durfte.
Die größeren Volksparteien wie CSU und SPD setzen eher auf Kommunikationsstrategien, die sie für bewährt halten, aber de facto seit Jahren zu einer kontinuierlichen Wählererosion geführt haben. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Motive abseits der stereotypischen Ikonographie traditioneller Wahlwerbung gäbe – ganz gleich, ob als Wahlplakat oder als Social-Media-Anzeige. Denn alles, was hilft, Bürger wieder zur Partizipation am politischen Prozess zu motivieren, stärkt die Demokratie. Die Abgrenzung von politischer Werbung, Politikberatung und Public Affairs zeigt, welche Instrumente dabei jeweils zum Einsatz kommen.
Radiointerview mit Antenne Bayern – www.antenne.de
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