Berlin tanzt – Ausschreibungsnachhilfe

Post von Berlin tanzt. Die neue Ausschreibung sieht so aus, als bräuchte man nur ein paar Vergleichsangebote. Nur ein bisschen kalkulieren Ă  la „Was kostet ein Kinospot?“. Wir bitten um nähere Infos zu Entscheidungskriterien und fragen, weshalb man denn nicht mit der Agentur weiterarbeite, mit der man (lt. Briefing) so erfolgreich war. Einen halben Tag später […]

Post von Berlin tanzt. Die neue Ausschreibung sieht so aus, als bräuchte man nur ein paar Vergleichsangebote. Nur ein bisschen kalkulieren à la „Was kostet ein Kinospot?“. Wir bitten um nähere Infos zu Entscheidungskriterien und fragen, weshalb man denn nicht mit der Agentur weiterarbeite, mit der man (lt. Briefing) so erfolgreich war.

Einen halben Tag später erreicht uns die Antwort, die Ausschreibung sei gestoppt. Einen Tag später erreicht sie uns in neuer Form. Jetzt gibt es auch Infos zu den Bewertungskriterien. Und dann doch eine Konzeptaufgabe von Berlin tanzt.

Wir tanzen ab.

Vor allem, weil wir enttäuscht darüber sind, dass man sich bei uns für das Ausschreibungscoaching nicht bedankt hat.

  • Mitmachen kann man gerne hier
  • Und hier gibt es unsere Meinung zum Thema Agenturpitch
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Bitte einmal volltanken fĂĽr Senioren – gratis

Besuch von E2C, einem israelischen Startup, das ein Senioren Smartphone auf dem deutschen Markt platzieren möchte. Wir plaudern angeregt mit der deutschen Damen fĂĽr Business Development. Sie möchte unbedingt dass wir Ihren Chef aus Israel kennenlernen, der in ein paar Tagen nach Deutschland kommt. Am Tag nach dem Meeting schreibt sie uns, sie möchte ein […]

Besuch von E2C, einem israelischen Startup, das ein Senioren Smartphone auf dem deutschen Markt platzieren möchte. Wir plaudern angeregt mit der deutschen Damen für Business Development. Sie möchte unbedingt dass wir Ihren Chef aus Israel kennenlernen, der in ein paar Tagen nach Deutschland kommt. Am Tag nach dem Meeting schreibt sie uns, sie möchte ein paar Dinge von uns vorbereitet haben, u.a.

  • who to target (seniors or their children, or both, or different?)
  • what’s the best approach to reach them – which would be the most effective and ROI way to reach them in your point of view (TV / print / different online tools / PR / WOM / etc), given that we are a start up with budget considerations. This suggested approach should be based on media habits and habits and practices of the target audience. 
  • Ideas for cooperation (you already covered this in our meeting; I thought it would be good to show this again to my partners).

Wir weisen freundlich darauf hin, dass die Inhalte gerne im Rahmen eines strategischen Beratungspaketes angeboten und dann entwickelt werden können, dass wir das aber nicht als Kaffeebeilage für ihren Chef.

Wir antworten:

… Regarding the „preparations“ you mentioned: please be aware are that we will definitely not provide you with any market data, strategic or creative ideas free of charge. The „would be great“-package you mentioned is worth thousands of Euro of work. We will glad to present everything after you agree to pay for it. What we can offer for the next meeting : our company presentation, our warm welcome and some drinks. That is for free. If you’re ready to pay for everything else – we’d happy to meet you soon…
Wir haben nie wieder von der Dame gehört.

 

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Die Gratis-Euphemismen

Bei so genannten Pitches fragen Firmen mehrere Agenturen an, um sich unbezahlt oder sehr schlecht bezahlte Kommunikationskonzepte entwickeln zu lassen, die dann nur bei Gefallen bezahlt werden. Die Erfahrung zeigt: GewĂĽnscht ist immer eine umfassende Präsentation. Das durchschnittliche Abstraktionsvermögen des deutschen mittleren Managements liegt auf dem Niveau von KinderbĂĽchern und am Ende zählt der Weihnachtsmoment: […]

Bei so genannten Pitches fragen Firmen mehrere Agenturen an, um sich unbezahlt oder sehr schlecht bezahlte Kommunikationskonzepte entwickeln zu lassen, die dann nur bei Gefallen bezahlt werden.

Die Erfahrung zeigt: Gewünscht ist immer eine umfassende Präsentation. Das durchschnittliche Abstraktionsvermögen des deutschen mittleren Managements liegt auf dem Niveau von Kinderbüchern und am Ende zählt der Weihnachtsmoment: Je mehr und je bunter man die Geschenke auf den Gabentisch packt, desto größer wird die Begeisterung. Und das ist dann auch die Benchmark für die verlangte Agenturarbeit.

Diejenigen Auftraggeber in Spe, die nicht ohnehin ihre Produkte von unbezahlten Kindern in Fernost montieren lassen, haben berechtigterweise ein schlechtes Gewissen dabei nach Gratisleistungen zu fragen. Deswegen hat sich eine ganz eigene Sprache von Euphemismen gebildet, mit denen man die Agenturen bittet unter Mindestlohnniveau zu arbeiten.

Unsere Top 5 ist:

  1. Es muss ja nur eine einzige Idee sein, gerne auch auf einem Bierdeckel (Haben wir gemacht und eine Absage bekommen, wir hätten nicht ernsthaft gearbeitet).
  2. Es reichen grobe Ideenskizzen (Nein. Reichen nicht. Niemals).
  3. Sie entscheiden selbst, was sie präsentieren. Wir verlassen uns da ganz auf sie. (Selbst Schuld wenn man nicht alles gibt. Andere tun es.)
  4. Sie könnten erste Ansätze zum Corporate Design, dem Broschürensystem und der Werbelinie mitbringen, wenn es keine Arbeit macht (Doch macht es. Ca. 15 Arbeitstage. Möchten Sie das bezahlen?)
  5. Wir möchten kennenlernen wie Sie arbeiten: Bitte machen Sie uns eine Marktanalyse zu unseren Produkten und ein Konzept wie wir im Markt XY erfolgreich eintreten können. (Wir möchten Sie auch kennenlernen. Bitte geben Sie uns ganz viel Geld einfach so.)
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kakoii sichert sich Telecolumbus-Etat

HORIZONT.NET, 09.04.2010 – „kakoii sichert sich Tele Columbus-Etat“ Die Agentur kakoii in Berlin hat den Werbetat vonTele Columbus gewonnen. Im Pitch konnte sich die Agentur gegen fĂĽnf weitere Mitstreiter durchsetzen. Der Netzbetreiber beauftragte kakoii mit der Betreuung aller Werbeaktivitäten fĂĽr TV-, Telefon- und Internetdienste. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen dabei die HDTV-Produkte, die mit Anzeigen, […]

HORIZONT.NET, 09.04.2010 – „kakoii sichert sich Tele Columbus-Etat“

Die Agentur kakoii in Berlin hat den Werbetat vonTele Columbus gewonnen. Im Pitch konnte sich die Agentur gegen fünf weitere Mitstreiter durchsetzen. Der Netzbetreiber beauftragte kakoii mit der Betreuung aller Werbeaktivitäten für TV-, Telefon- und Internetdienste. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen dabei die HDTV-Produkte, die mit Anzeigen, Radiospots und Plakaten beworben werden sollen.

Auf den Printwerbematerialien sind zwei Goldfische zu sehen, die aus ihrem Aquarium die HD-Technik kommentieren. So soll auf das neue HD-Starterpaket aufmerksam gemacht werden. AuĂźerdem begleiten Direct Mailings, Online-Werbung und PoS-Materialien die Kampagne.

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Die Berliner Frauenbeauftragte diskriminiert uns

Ă–ffentliche Ausschreibungen haben in Berlin einen zweifelhaften Ruf. Die VorwĂĽrfe reichen von vorsätzlichen Absprachen bis zur fahrlässigen Inkompetenz. Der derzeit bekannteste Fall im Gespräch ist die Auftragsvergabe des Berliner Stadtschlosses. Wir hatten nun Gelegenheit uns ĂĽber die Berliner Frauenbeauftragte zu ärgern, die Bewerber bei Ausschreibungsverfahren diskriminiert (sic!). Anfang Juli erreichte uns die Bitte an einer beschränkten Ausschreibung […]

Öffentliche Ausschreibungen haben in Berlin einen zweifelhaften Ruf. Die Vorwürfe reichen von vorsätzlichen Absprachen bis zur fahrlässigen Inkompetenz. Der derzeit bekannteste Fall im Gespräch ist die Auftragsvergabe des Berliner Stadtschlosses.

Wir hatten nun Gelegenheit uns über die Berliner Frauenbeauftragte zu ärgern, die Bewerber bei Ausschreibungsverfahren diskriminiert (sic!).

Anfang Juli erreichte uns die Bitte an einer beschränkten Ausschreibung teilzunehmen für eine Kampagne, die Gewalt gegen Frauen thematisiert. Gefragt war in diesem Fall eine Kostenkalkulation für einen Kinospot und weitere Werbemittel. Da laut Ausschreibungstext keine Ideen einzureichen waren, kontaktierten wir die Verantwortliche, eine freundliche Frau I., (Leiterin des Referats für Frauen in besonderen Konflikt- und Lebenslagen, Abteilung Frauen und Gleichstellung, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen).

Wir schilderten Ihr die Problematik einen Spot zu kalkulieren, der noch garnicht erfunden war. Da Frau I. leider auf ihre Vorschriften verwies, die gültig seien unabhängig von der Tatsache, ob es der Sache helfe oder nicht, entschieden wir uns drei exemplarische Ideen einzureichen um daran Produktionskosten zu erklären.

Zwei Monate später erreichte uns eine Absage. Auf unsere freundliche Nachfrage nach den Entscheidungskriterien schrieb uns Frau I. “Ausschlaggebend für unsere Entscheidung war vor allem die Frage der künstlerischen Gestaltung des Kinospots, bei dem uns ein anderes Angebot mehr überzeugt hat. ”

Wir dachten uns: “Moment mal. Das Einreichen von Ideen war in der Ausschreibung nicht gefordert und kann somit doch kein Entscheidungskriterium sein.” Es ist zwar nachzuvollziehen, dass man ein eingereichtes Treatment spannend findet, aber ein klarer Bruch der Ausschreibungsrichtlinien und eine klare Diskriminierung von Bietern, die keine “künstlerische Gestaltungen” eingereicht haben.

Wir baten höflich Frau I. dies aufzuklären. Doch diese verwies kurz angebunden nur auf den Ausschreibungstext.

Den gaben wir daraufhin unsere Anwältin, mit der Bitte einer klärenden Durchsicht. Ihre Einschätzung: Das Ausschreibungsdokument ist in weiten Teilen eine offensichtlich ohne den notwendigen Sachverstand erstellte „Ausschreibungs-Blase“, die keinen vergleichbaren Inhalt zur Voraussetzung machte. D.h. bereits die Formulierung der Ausschreibung verstieß grob gegen die zwingend einschlägigen Vergabevorschriften (§ 27 VOL /A).

Alles in allem wurde es ein dreiseitiger Brief, der an Frau I. versendet wurde mit zahlreichen Hinweisen auf die verschiedenen Fehler bei der Ausschreibung.

Doch die Leiterin des Referats für Frauen in besonderen Konflikt- und Lebenslagen fühlte sich in dieser Lage offensichtlich gar nicht wohl und hatte keinerlei Lust einen Konflikt auch noch zu verlieren. Sie zog die Notbremse. Bei unserer Anwältin meldete sie sich kurz und prägnant per E-Mail:

“Sehr geehrter Herr xyz,

ich möchte abschließend zu Ihrer Frage Stellung nehmen.
In der Ausschreibung vom 2.07.2009 wurde deutlich darauf hingewiesen, dass Sie mit der Abgabe des Angebots den Bestimmungen über nicht berücksichtigte Bewerber gem. § 27 VOL /A unterliegen. Zu einer Angabe von zusätzlichen Gründen bei der Ablehnung Ihres Angebots sind wir daher rechtlich nicht verpflichtet.
Mit freundlichem GruĂź
Gabi I.”

Wie schrieb ein Berliner Kabarettist unlängst so schön:

“Sehn’ Se, Det Is Berlin!“

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