literaturkritik.de, Torsten Gellner
18.11.02
Christoph Schlingensief ist wahrlich nicht der Johannes Rau der Kulturszene. Er beobachtet genau, was die bundesrepublikanische Welt im Innersten zusammenhält, legt ihre Strukturen offen. Die polternden provokationen Schlingensiefs lassen sich ja nie vollständig auflösen, immer bleibt ein Rest von Zweifel daran. Bei Hamlet aber war nicht Schlingensief der Undurchsichtige, sondern sein (ehemals?) braunes Personal, der Szenestar Torsten Lemmer. Dieser durfte auch einen großen Beitag für die von Thekla Heineke und Sandra Umathum herausgegebene Dokumentation «Christoph Schlingensief Nazis Rein» verfassen. Das Buch wartet nicht nur mit einer Fülle von Briefen, E-Mails, Talkshow-Protokollen, Interviews und natürlich Bildern rund um die Inszenierung auf, sondern beinhaltet auch Beiträge von den üblichen Verdächtigen. Ein Lob muss hier der von «kakoii» entwickelten genialen (typo-) graphischen Gestaltung des Buches gezollt werden, die die übliche Suhrkampklientel mit ungewohnt hippen optischen Reizen nach gerade überfordern könnte. [ gekürzt ]
New Business, Creative Corner
04.11.2002
Zum Leidwesen der Klatschpresse wird Claudia Schiffer derzeit wenig gesichtet: Sie ist schwanger, meidet deshalb die Öffentlichkeit. Claudia-Fans kommen dieser Tage trotzdem auf ihre Kosten, da das Modell in einem neuen TV-Spot präsent ist. Allerdings nicht visuell, sondern nur stimmlich. Begründung für die Fokussierung auf die Stimme: «Ihre äußere Erscheinung wurde ausgespart, um die Aufmerksamkeit ganz auf die Botschaft Claudia Schiffers zu konzentrieren.» [..] Schließlich ist Schiffers Auftritt löblich, denn der TV-Spot unterstützt das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das derzeit in Berlin entsteht. Entwickelt wurde die Kampagne unentgeltlich von der Berliner Agentur kakoii um Stefan Mannes und Thekla Heineke. Beide arbeiteten früher schon für den Förderkreis zur Denkmal-Errichtung. [...] Aus dieser Zeit entstand auch das umstrittene Plakat «Den Holocaust hat es nie gegeben». Diese Anzeige war es auch, die Schiffer auf die Arbeit des Vereins aufmerksam machte. Von sich aus bot sie dann ihre Unterstützung an. [ tor ]
New Business, Creative Corner
04.11.2002
2003 ist das «Europäische Jahr der Menschen mit Behinderung». Aus diesem Anlass gab DFB-Teamchef Rudi Völler jetzt den Startschuss für die Sympathiekampagne «Einfach ganz normal», die für mehr Akzeptanz gegenüber behinderten Menschen wirbt und mögliche Ängste und Vorurteile in der Bevölkerung abbauen soll. Initiiert und realisiert haben die bundesweite Imagekampagne gemeinschaftlich zwei Agenturen: kakoii, Berlin, und steinrücke + ich, Köln / Berlin. Bis zum Jahresende werden mehr als 1000 Großflächenplakate sowie Print-Anzeigen zum Einsatz kommen. Finanziert werden die Maßnahmen von sechs verschiedenen Diakonischen Werken aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Außenwerber DSM, AwK und Moplak stellen freie Plakatflächen zur Verfügung, Sponsorengelder kommen von der Westfalen AG. Die Kreation verantworten Thekla Heineke (kakoii) und Petra Hennicke (steinrücke + ich), zuständige Berater sind Stefan Mannes (kakoii) und Veronika Steinrücke.