STADT UND LAND Wohnbauten Berlin findet: Entschädigung ist kein Mindestlohn

Heute lernten wir von der STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH: Entschädigung ist kein Mindestlohn. Es erreichte uns ein Aufforderungsschreiben zur Abgabe eines Angebotes nebst diverser Anlagen und Formulare. In einem zweistufigen Verfahren soll in einem Pitch eine aufwendige Markenerarbeitung/Kampagne entstehen. Und fĂĽr den zweiten, arbeitsreichen Teil gibt es 2.000 Euro. Wir schreiben: Sehr geehrte Damen und […]

Heute lernten wir von der STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH: Entschädigung ist kein Mindestlohn.

Es erreichte uns ein Aufforderungsschreiben zur Abgabe eines Angebotes nebst diverser Anlagen und Formulare. In einem zweistufigen Verfahren soll in einem Pitch eine aufwendige Markenerarbeitung/Kampagne entstehen. Und für den zweiten, arbeitsreichen Teil gibt es 2.000 Euro.
Wir schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir nehmen an keinen Ausschreibungen teil, bei denen Auftraggeber ihre Dienstleister unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlen. Deswegen bitten wir Sie, uns mitzuteilen, was fĂĽr die VergĂĽtung von 2.000 Euro fĂĽr die zweite Stufe erarbeitet und präsentiert werden soll. Herzlichen Dank fĂĽr eine kurze Antwort …
Die Antwort kam 2 Stunden später:

Sehr geehrter Herr X,
die STADT UND LAND als öffentlicher Auftraggeber zahlt selbstverständlich die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne. Dies erwarten wir auch von unseren Auftragnehmern, daher ist die gem. BAVG notwendige Erklärung zur Einhaltung der Mindestlöhne und Tarifverträge den Ausschreibungsunterlagen beigefügt. Die in den Ausschreibungsunterlagen angeführten 2.000 € sollen als Entschädigung für die Teilnahme am Pitch in der 2. Stufe des Verfahrens dienen, keinesfalls als Honorar.

Wow. Wir bedanken uns fĂĽr die gute Idee:

Sehr geehrte Frau Y,
vielen Dank fĂĽr den praktischen Hinweis.
Wir werden von Ihrem Vorgehen inspiriert unseren Mitarbeitern demnächst zum Unterlaufen der Mindestlohngesetzgebung das „Gehalt“ in „Entschädigung“ umtitulierten. Sofern uns dies gelingt, nehmen wir gerne an Ihrer Ausschreibung teil und können die entsprechende Erklärung ruhigen Gewissens unterschreiben.
Mit freundlichen GrĂĽĂźen
kakoii

 

 

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Berlin tanzt – Ausschreibungsnachhilfe

Post von Berlin tanzt. Die neue Ausschreibung sieht so aus, als bräuchte man nur ein paar Vergleichsangebote. Nur ein bisschen kalkulieren Ă  la „Was kostet ein Kinospot?“. Wir bitten um nähere Infos zu Entscheidungskriterien und fragen, weshalb man denn nicht mit der Agentur weiterarbeite, mit der man (lt. Briefing) so erfolgreich war. Einen halben Tag später […]

Post von Berlin tanzt. Die neue Ausschreibung sieht so aus, als bräuchte man nur ein paar Vergleichsangebote. Nur ein bisschen kalkulieren à la „Was kostet ein Kinospot?“. Wir bitten um nähere Infos zu Entscheidungskriterien und fragen, weshalb man denn nicht mit der Agentur weiterarbeite, mit der man (lt. Briefing) so erfolgreich war.

Einen halben Tag später erreicht uns die Antwort, die Ausschreibung sei gestoppt. Einen Tag später erreicht sie uns in neuer Form. Jetzt gibt es auch Infos zu den Bewertungskriterien. Und dann doch eine Konzeptaufgabe von Berlin tanzt.

Wir tanzen ab.

Vor allem, weil wir enttäuscht darüber sind, dass man sich bei uns für das Ausschreibungscoaching nicht bedankt hat.

  • Mitmachen kann man gerne hier
  • Und hier gibt es unsere Meinung zum Thema Agenturpitch
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Die Berliner Frauenbeauftragte diskriminiert uns

Ă–ffentliche Ausschreibungen haben in Berlin einen zweifelhaften Ruf. Die VorwĂĽrfe reichen von vorsätzlichen Absprachen bis zur fahrlässigen Inkompetenz. Der derzeit bekannteste Fall im Gespräch ist die Auftragsvergabe des Berliner Stadtschlosses. Wir hatten nun Gelegenheit uns ĂĽber die Berliner Frauenbeauftragte zu ärgern, die Bewerber bei Ausschreibungsverfahren diskriminiert (sic!). Anfang Juli erreichte uns die Bitte an einer beschränkten Ausschreibung […]

Öffentliche Ausschreibungen haben in Berlin einen zweifelhaften Ruf. Die Vorwürfe reichen von vorsätzlichen Absprachen bis zur fahrlässigen Inkompetenz. Der derzeit bekannteste Fall im Gespräch ist die Auftragsvergabe des Berliner Stadtschlosses.

Wir hatten nun Gelegenheit uns über die Berliner Frauenbeauftragte zu ärgern, die Bewerber bei Ausschreibungsverfahren diskriminiert (sic!).

Anfang Juli erreichte uns die Bitte an einer beschränkten Ausschreibung teilzunehmen für eine Kampagne, die Gewalt gegen Frauen thematisiert. Gefragt war in diesem Fall eine Kostenkalkulation für einen Kinospot und weitere Werbemittel. Da laut Ausschreibungstext keine Ideen einzureichen waren, kontaktierten wir die Verantwortliche, eine freundliche Frau I., (Leiterin des Referats für Frauen in besonderen Konflikt- und Lebenslagen, Abteilung Frauen und Gleichstellung, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen).

Wir schilderten Ihr die Problematik einen Spot zu kalkulieren, der noch garnicht erfunden war. Da Frau I. leider auf ihre Vorschriften verwies, die gültig seien unabhängig von der Tatsache, ob es der Sache helfe oder nicht, entschieden wir uns drei exemplarische Ideen einzureichen um daran Produktionskosten zu erklären.

Zwei Monate später erreichte uns eine Absage. Auf unsere freundliche Nachfrage nach den Entscheidungskriterien schrieb uns Frau I. “Ausschlaggebend für unsere Entscheidung war vor allem die Frage der künstlerischen Gestaltung des Kinospots, bei dem uns ein anderes Angebot mehr überzeugt hat. ”

Wir dachten uns: “Moment mal. Das Einreichen von Ideen war in der Ausschreibung nicht gefordert und kann somit doch kein Entscheidungskriterium sein.” Es ist zwar nachzuvollziehen, dass man ein eingereichtes Treatment spannend findet, aber ein klarer Bruch der Ausschreibungsrichtlinien und eine klare Diskriminierung von Bietern, die keine “künstlerische Gestaltungen” eingereicht haben.

Wir baten höflich Frau I. dies aufzuklären. Doch diese verwies kurz angebunden nur auf den Ausschreibungstext.

Den gaben wir daraufhin unsere Anwältin, mit der Bitte einer klärenden Durchsicht. Ihre Einschätzung: Das Ausschreibungsdokument ist in weiten Teilen eine offensichtlich ohne den notwendigen Sachverstand erstellte „Ausschreibungs-Blase“, die keinen vergleichbaren Inhalt zur Voraussetzung machte. D.h. bereits die Formulierung der Ausschreibung verstieß grob gegen die zwingend einschlägigen Vergabevorschriften (§ 27 VOL /A).

Alles in allem wurde es ein dreiseitiger Brief, der an Frau I. versendet wurde mit zahlreichen Hinweisen auf die verschiedenen Fehler bei der Ausschreibung.

Doch die Leiterin des Referats für Frauen in besonderen Konflikt- und Lebenslagen fühlte sich in dieser Lage offensichtlich gar nicht wohl und hatte keinerlei Lust einen Konflikt auch noch zu verlieren. Sie zog die Notbremse. Bei unserer Anwältin meldete sie sich kurz und prägnant per E-Mail:

“Sehr geehrter Herr xyz,

ich möchte abschließend zu Ihrer Frage Stellung nehmen.
In der Ausschreibung vom 2.07.2009 wurde deutlich darauf hingewiesen, dass Sie mit der Abgabe des Angebots den Bestimmungen über nicht berücksichtigte Bewerber gem. § 27 VOL /A unterliegen. Zu einer Angabe von zusätzlichen Gründen bei der Ablehnung Ihres Angebots sind wir daher rechtlich nicht verpflichtet.
Mit freundlichem GruĂź
Gabi I.”

Wie schrieb ein Berliner Kabarettist unlängst so schön:

“Sehn’ Se, Det Is Berlin!“

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Das Technische Hilfswerk Berlin braucht dringend Hilfe bei Ausschreibungen

Es gibt zahlreiche Richtlinien zur Vergabe von Aufträgen an externe Dienstleister, sprich Agenturen, die besonders bei Ausschreibungen öffentlicher Einrichtungen immer wieder zu skurilen AuswĂĽchsen bei Ausschreibungen fĂĽhren. In fast allen Fällen gibt es bereits eine Agentur des Vertrauens und man hat das Problem, trotzdem Vergleichsangebote einholen zu mĂĽssen, die aber eigentlich keinesfalls einen Zuschlag erhalten […]

Es gibt zahlreiche Richtlinien zur Vergabe von Aufträgen an externe Dienstleister, sprich Agenturen, die besonders bei Ausschreibungen öffentlicher Einrichtungen immer wieder zu skurilen Auswüchsen bei Ausschreibungen führen. In fast allen Fällen gibt es bereits eine Agentur des Vertrauens und man hat das Problem, trotzdem Vergleichsangebote einholen zu müssen, die aber eigentlich keinesfalls einen Zuschlag erhalten sollten. Eine sehr typische Anfrage dieser Art erreichte uns vor einigen Tagen, die wir hier auszugsweise publizieren wollen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erbitte ich ein Angebot bis zum 30.03.07, 11.00 Uhr über folgende Leistungen (bitte Einzelleistungen detailliert ausweisen): (…)

a) Gestaltung und Bereitstellung einer Druckvorlage für eine Druckerei zum Druck von 6 Visitenkarten. Der Visitenkartenkopf müßte in Anlehnung der bei Ihnen vorliegenden Gestaltungsrichtlinie für Visitenkarten unter (…) verändert werden. 

b)
Gewährleistung der Druckabwicklung über die Rahmenvertragsagentur der Bundesanstalt THW. Hinweis: Die Druckkosten habe ich bereits bei der Rahmenvertragsagentur angefragt. (…)

Mit freundlichem GruĂź
xxxx xxxxxxxxx
Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Länderverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt

Zusammengefasst: Das THW schreibt über eine unpersonalisierte (Massen?-)Mail den Satz von 6 (!) Visitenkarten aus. Geschätzter Arbeitsaufwand: 1 Stunde. Es gibt bereits eine Agentur, die einen Rahmenvertrag mit dem THW hat. Die Druckabwicklung soll über diese erfolgen. Offensichtlich müssen aber die Satzarbeiten ausgeschrieben werden. Die Bemerkung “der bei Ihnen vorliegenden Gestaltungsrichtlinie” deutet darauf hin, dass der Text eigentlich für einen anderen Empfänger geschrieben wurde. Wow!

Positiv aufgefallen ist uns jedoch, dass es sich immerhin um keinen Pitch handelt. Wir wünschen dem THW Berlin – trotz der Unsicherheit, wie die Kreation aussehen wird –  erfolgreiche Ausschreibungen und der Rahmenvertragsagentur der Bundesanstalt viel Erfolg.

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