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Die Gratis-Euphemismen

Bei so genannten Pitches fragen Firmen mehrere Agenturen an, um sich unbezahlt oder sehr schlecht bezahlte Kommunikationskonzepte entwickeln zu lassen, die dann nur bei Gefallen bezahlt werden.

Die Erfahrung zeigt: Gewünscht ist immer eine umfassende Präsentation. Das durchschnittliche Abstraktionsvermögen des deutschen mittleren Managements liegt auf dem Niveau von Kinderbüchern und am Ende zählt der Weihnachtsmoment: Je mehr und je bunter man die Geschenke auf den Gabentisch packt, desto größer wird die Begeisterung. Und das ist dann auch die Benchmark für die verlangte Agenturarbeit.

Diejenigen Auftraggeber in Spe, die nicht ohnehin ihre Produkte von unbezahlten Kindern in Fernost montieren lassen, haben berechtigterweise ein schlechtes Gewissen dabei nach Gratisleistungen zu fragen. Deswegen hat sich eine ganz eigene Sprache von Euphemismen gebildet, mit denen man die Agenturen bittet unter Mindestlohnniveau zu arbeiten.

Unsere Top 5 ist:

  1. Es muss ja nur eine einzige Idee sein, gerne auch auf einem Bierdeckel (Haben wir gemacht und eine Absage bekommen, wir hätten nicht ernsthaft gearbeitet).
  2. Es reichen grobe Ideenskizzen (Nein. Reichen nicht. Niemals).
  3. Sie entscheiden selbst, was sie präsentieren. Wir verlassen uns da ganz auf sie. (Selbst Schuld wenn man nicht alles gibt. Andere tun es.)
  4. Sie könnten erste Ansätze zum Corporate Design, dem Broschürensystem und der Werbelinie mitbringen, wenn es keine Arbeit macht (Doch macht es. Ca. 15 Arbeitstage. Möchten Sie das bezahlen?)
  5. Wir möchten kennenlernen wie Sie arbeiten: Bitte machen Sie uns eine Marktanalyse zu unseren Produkten und ein Konzept wie wir im Markt XY erfolgreich eintreten können. (Wir möchten Sie auch kennenlernen. Bitte geben Sie uns ganz viel Geld einfach so.)

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