12. September 2009
Das Thema der gemeinsamen Designfindung mit dem Kunden ist so alt wie der Beruf des Gestalters selbst. Kunden möchten optimale Ergebnisse und Gestalter müssen sich absichern, um nicht der Geschmackswillkür ihrer Auftraggeber ausgeliefert zu sein. Meist hilft eine sachliche und höfliche Diskussion, um Projekte gemeinsam zum Erfolg zu führen. Manchmal nicht.
Ein Beispiel für letzteres zeigt unser aktuelles Projekt für die Hildener Firma Blacknoise, welche uns mit einem Packaging-Relaunch für einen ihrer Blacknoise-Lüfter beauftragte. Ein spannendes Projekt, denn man hatte uns explizit darauf hingewiesen, dass wir vollkommen frei von dem bisherigen CD agieren könnten. Farben, Formen, Schrift – selbst das Logo könnten wir gerne nochmals überdenken. So freuten wir uns sehr, anstatt der vertraglich vereinbarten 2 Entwürfe schließlich insgesamt 5 Verpackungslinien und rd. 10 Variationen zu präsentieren.
Doch nun brach eine fast Shakespearianische Tragödie über uns herein. Die Blacknoise Geschäftsführung beantwortete unsere 61-seitige Präsentation mit einer 8-zeiligen Mail: Man sei ” in jeder Hinsicht enttäuscht”. Für sie sei es “keine Profiarbeit”. Die Entwürfe seien “zu bunt, zu simpel und sehen einfach billig aus”. Da wunderten wir uns sehr. Insbesondere, wenn man die bisherigen Noiseblocker Designs vor Augen hat.
Nun müssen dem Kunden nicht automatisch alle Entwürfe gefallen und wir hätten uns sehr gefreut doch mehr Details zu erfahren, da es normalerweise zu Packagingentwürfen viel zu sagen gibt: Verpackungsform, Verwendung von Sichtfenstern, Farbwelten, Formen, Materialien, Veredelungen, Typographie und vieles mehr.
Doch leider wissen wir bis heute nichts. Nicht einmal, welche der Verpackungslinien nun bunt, welche, simple und welche davon nun als billig zu betrachten ist. Um sich vorsorglich abzusichern, schrieb man uns, dass “Dritte” bestätigt hätten, dass es ganz sicher keine “Profiarbeit” sei. Achja und natürlich wolle man ganz schnell von dem Auftrag zurücktreten, ganz sicher nicht bezahlen und noch viel sicherer nicht, was bisher geleistet wurde.
Das war auch in unserer Agenturgeschichte neu. Pitches, Wettbewerbspräsentationen haben ihre eigene Problematik. Aber ein normaler Designauftrag, der vom Kunden nach Präsentation der Entwürfe auf Basis von Geschmacksgründen und unter Berufung auf eine geheimisvolle Jury von “Dritten” aufgrund vorgeblich mangelnder Schöpfungshöhe angefochten wird?
Unser Fehler lag möglicherweise darin, uns gutgläubig auch des Noiseblocker Logos anzunehmen. Das war zwar nicht Teil des Auftrages, aber man hatte uns gesagt, man würde sich über (unberechnete) Anregungen sehr freuen. Uns war nämlich aufgefallen, dass das Noiseblocker Logo so gar nicht aussieht, als würde es Geräusche blocken, sondern eher aussenden. Eine Marke, die sich dem Schallschutz verschrieben hat, als Geräuschverursacher in der Lesart gängiger Ikonographie?